Das Plandampfteam Lo/Rie

Plandampf - zur Geschichte

Das Thema "Plandampf" ist, genau genommen, ein alter Hut. Schon ab 1980, und somit vor Ende des planmäßigen Dampflokbetriebs bei der Deutschen Reichsbahn, gab es unter der Führung vom Deutschen Modelleisenbahnverband der DDR zu besonderen Anlässen Dampflokfahrten vor planmäßigen Zügen. Bald bemerkten auch die Führungsebenen, daß solche Veranstaltungen dem bescheidenen Ansehen der Deutschen Reichsbahn nützlich waren. In vielen Fällen war es auch die Passion gestandener Dampflokpersonale, ihr Können noch einmal unter Beweis zu stellen und sich an einigen Tagen im Jahr abseits jeder ideologischer Bevormundung wieder Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen. Nebenbei trugen die gelegentlichen Einsätze auch zur Einsparung von Dieselkraftstoff bei, denn dieser mußte - im Gegensatz zur polnischen Steinkohle - damals bereits mit Devisen bzw. hochwertigen Industriegütern werden an die Sowjetunion bezahlt werden.

44 1486 bei Sondershausen © S.Lohr

Die Dampfloks wurden von den Bahnbetriebswerken unterhalten, in denen sie sich bis zur Außerbetriebnahme befanden. Maschinen, welche schon geraume Zeit kalt abgestellt waren, wurden reaktiviert (z. B. 38 1182, 65 1049, 91 134). Erfahrene Werkstatt- und Lokpersonale waren allerorts kein Problem so daß sich bald ein interessantes Bild für die Eisenbahnfreunde entwickelte. Im Gegensatz dazu standen auch der Verkauf verschiedener Dampfloks (01 118, 95 028) in den "Westen", über den nie offiziell gesprochen wurde. Die Reise gen Westen wurde von den Dampflokfreunden in der DDR intern kritisiert, war aber nie ein Grund zur Annahme daß der übrige Museumspark hierdurch Schaden nehmen würde.

Plandampf in der Nachwendezeit

Anfänge auf der Saalebahn

Nachdem ab Ende 1989 alle offiziellen Planungen für "Plandampf" Makulatur geworden waren und der Deutsche Modelleisenbahnverband der DDR seine Bedeutung verlor, gingen im Herbst 1990 zunächst Kenner der DDR-Szene aus dem Westteil Deutschlands daran, den Plandampfgedanken weiter zu führen und veranstalteten 3 Tage lang die Planbespannung von Reise- und Güterzügen auf der Saalebahn.

Hochkonjuktur Anfang der 90er Jahre

Inspiriert davon folgten eine ganze Reihe vom Plandampfveranstaltungen des Vereins Sächsischer Eisenbahnfreunde e.V. in Sachsen und Thüringen auf Strecken, die heute überwiegend Geschichte sind, und weiterer Freundeskreise, für die sich der organisatorische und finanzielle Aufwand, dank immer noch vorhandener Infrastrukturen, in Grenzen hielt.

52 8075 bei Vachdorf © S.Lohr

Die Eisenbahn im Umbruch

Ab 1995 gingen auch die Umwälzungen im Eisenbahnwesen am Plandampfgedanke nicht spurlos vorüber. Der Personal- und Infrastrukturabbau machte es immer schwieriger, attraktive Plandampfzüge auf die Gleise zu bringen. Zunehmend wurden die Dampfloks der ehemaligen Deutschen Reichsbahn umbeheimatet und mußten für die Einsätze weit überführt werden. Passende Reisezug- und Güterwagen verschwanden. Große Netzbereiche der DB AG wurden modernisiert, so daß nicht nur das veränderte Aussehen der Anlagen, sondern auch eine neue Betriebstechnologie einzog, die sich mit der Dampflok nicht bewältigen ließ. Viele Veranstalter resignierten aufgrund stetig wachsender Beschränkungen und steigender Kosten. Der Park der zur Verfügung stehenden DB-Dampfloks nahm ab.

52 8075 in Schwallungen © S.Lohr

Ungebrochenes Interesse

Aufgrund des immer noch großen Interesses an Dampflokerlebnis, in der Form wie es mehr als 150 Jahre das Bild prägte, entschloß sich das Veranstalterteam Kno/Lo/Rie den Plandampfgedanken fort zu führen. Bei mehr als 10 Veranstaltungen in Thüringen und Mecklenburg gelang es nicht nur dem Fotograf und Videofilmer einen Rest an gestalterischer Freiheit zu bieten, sondern auch einen guten Kompromiss der Möglichkeiten zu finden. Ein wichtiges Augenmerk lag auch immer darauf, mit der Dampflok wirkliche Transportaufgaben mit Zug-, Rangier- und Unterhaltungsdienst zu erledigen und den Betrachter teilhaben zu lassen. Mit viel Fingerspitzengefühl für die Technik und das Machbare wollen Lo/Rie das auch weiterhin tun.

Holzzug bei Oberrohn © S.Lohr